

Die Arten sterben – auch unter Wasser
Nicht nur zu Lande fordert die menschliche Einflussnahme in Form von Urbanisierung, Ökonomisierung und allgemeiner Naturentfremdung ihren seh-, hör- und spürbaren Tribut: Auch hiesige Gewässer verzeichnen, aufgrund von habitatslimitierenden baulichen Korrektiven, Flusseinfassungen bzw. -Begradigungen sowie extensiver Verschmutzung – wir denken an den Massentod in der Oder 2022 – einen dramatischen wie ökologisch relevanten Populationsschwund, der vor allem in verborgener See- und Flusstiefe vonstatten geht.


Die Arten sterben – auch unter Wasser:
Eine erstmals seit 2009 vorgenommene Aktualisierung der „Roten Liste für Süßwasserfische und Neunaugen“ offenbart Alarmierendes: „Jede zweite deutsche Fischart ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht“ – demnach sei die Zahl der 2009 als „gefährdet“ eingestuften heimischen Fischarten binnen 15 Jahren – also bis Ende 2023 – von 22 auf 38 gestiegen. Noch vor einigen Jahren erfreute sich insbesondere die hübsche und flinke Forelle (Salmo trutta), die leider allzu oft am Haken und auf dem Teller landet, mit ihren Unterarten, wie sie hierzulande vor allem durch Seen, Flüsse und Bäche schwimmen, einer stabilen Bestandsdichte mit entsprechend stabilem Status. Wachstumsrückläufe, wie sie vor allem im bayerischen und im baden-württembergischen Raum eklatant seien, haben die resiliente Forelle – darunter die Meer-, See- und Bachforelle (Siehe Bild) in ihrer einst so robusten Populationsdichte geschwächt bzw. destabilisiert – die Lachsfische gelten – wie viele andere Süßwasserfische – in Deutschland mittlerweile als gefährdet. Bezüglich des Artensterbens unter Wasser fungiere die Forelle als repräsentativer Indikator: Laut Christian Wolter – Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin – sei die neuerliche Listung der Fische „ein erstes deutliches Warnsignal für größere klimabedingte Biodiversitätsveränderungen in Fließgewässern.“

Wo Fischarten wie der Atlantische Lachs (Salmo salar) und das Meerneunauge (Petromyzon marinus) dem finalen Aussterben in Deutschland gegenwärtig gerade noch so davonschwimmen, seien geschuppte Öko-Akteure wie etwa der Bodensee-Kilch, welcher bereits seit 2009 als ausgestorben oder verschollen gilt, vermutlich unwiederbringlich aus hiesigen Gewässern verschwunden. Besonders endemische Arten wie die Chiemsee-Renke würden sich zusehends rar machen – hier ist konsequentes Augenmerk und Schutz unerlässlich.

Auch wenn vor allem bauliche Eingriffe, Gewässer-Beschmutzung, konkurrierende Invasiv-Arten und klimatische Veränderungen als Kernursachen für das Sterben bzw. Verdrängen heimischer Fischarten angeführt werden – Die Angelwut sollte in diesem Kontext nicht außer Acht gelassen werden: Schätzungsweise rund sechs Millionen (Hobby-)Angler:innen halten (regelmäßig) ihre mit Ködern gespickten Haken in deutsche Binnengewässer wie Seen, Flüsse sowie ins Meer und entreißen dabei zahllose Fische ihrem natürlichen Element. Ein tödlicher „Trend“, welcher sich im Zuge der Corona-Pandemie noch intensiviert hat und als vermeintliches „Naturerlebnis“ deklariert wird, während er hiesige Gewässer potenziell in ökologische Bedrängnis bringt.


Fische leiden:
Was Angelnde beim Ausbringen ihrer Haken oft negieren, um sich der ethischen Reflexion zu entziehen: Fische sind durchaus in der Lage, Schmerzen sowie Emotionsregungen wie etwa Angst und Stress zu empfinden. Allein ihre vermeintliche Stummheit und ihr statischer Ausdruck macht viele Menschen unempfänglich für jenes unermessliche Leid, welchem die Tiere bei gewaltsamer Entnahme aus ihrem nassen Habitat sowie bei Tötung ausgesetzt sind.


Lebensraumerhaltende Interventions- bzw. Schutzkonzepte, Renaturierung sowie eine konsequente, langfristige Gewässerschonung dürften unabdingbar sein, um dem voranschreitenden Artensterben unter Wasser Einhalt zu gebieten und die Bestände (gefährdeter) heimischer Fischarten zu stabilisieren.


Auch Wasserlebewesen wie Fische haben ein Recht auf Leben und Lebensqualität!
Bitte weitersagen!
Quellen:
Sterben Lachs und Forelle bald aus? | National Geographic
Forellenarten in Deutschland, Beschreibung der 4 Arten der Forellen (heimische-tiere.de)
Überfischung durch Freizeitangler – Schutz für Hecht, Dorsch und Aal – SWR Kultur
Angeln so beliebt wie nie (giessener-allgemeine.de)
Die lautlosen Schreie der Fische – Ethik.Guide (ethikguide.org)

„Urbane“ Brummer – Warum du „Stadt“-Hornissen gewähren lassen solltest
In Deutschlands Städten brummt es. Spätsommer ist die Zeit jener oft missverstandenen Fluginsekten, welche mit ihren auffälligen gelben Streifen, ihren kräftigen Beißwerkzeugen und ihrem tiefen, bedrohlich anmutenden Gebrumme in menschlicher Gegenwart meist mehr Furcht ernten, als Entzücken – dabei sind Hornissen äußerst friedfertige und zudem überaus faszinierende und tendenziell scheue Geschöpfe – quasi Schafe im Wolfspelz. 

Zugegeben, ein Hornissen-Stich mag schmerzhaft sein – aber weder vermag dieser – wie oft behauptet und befürchtet – ein Pferd töten, noch Menschen zur Strecke bringen. Der Stich einer Hornisse ist mitnichten giftiger als der einer Biene oder Wespe. Die dicken Brummer sind keinesfalls aggressiv und fliegen i.d.R. friedlich ihrer Wege. Tatsächlich ihren Stachel ausfahren wird eine Hornisse erst, wenn diese bis aufs Äußerste gereizt oder bedrängt wird bzw. sich in akuter Lebensgefahr sieht. Wenn du ihr ruhig und respektvoll begegnest, hast du in der Regel keinen schmerzhaften Stich zu befürchten. Anders als Wespen – den direkten Verwandten der Hornisse – schwirren die dicken Brummer auch nicht penetrant im aufgeregten Zickzack-Flug um gedeckte Gartentische oder rücken dir – vom Hunger getrieben – anderweitig in unangenehmer Form auf die Pelle. Im Gegenteil: Als im Larvenstadium Insektenfleisch fressende Tierchen halten nistende Hornissen deine Umgebung frei von Stubenfliegen, blutsaugenden Bremsen und vielen weiteren oft unliebsamen Besuchern.

Auch wenn Hornissen meist keinerlei Interesse an menschlicher Nähe hegen und sie als (Nist-)Habitat vornehmlich Waldnähe präferieren, wird ihr Gebrumme in deutschen Städten zusehends lauter: In einer durch den „LBV“ und den „NABU“ initiierten Insektenzählung im Juni dieses Jahres, errang die geschützte Europäische Hornisse (Vespa crabro) den 11 Platz der am „häufigst beobachteten Insekten“. Dass das Aufkommen an Hornissen im städtischen Bereich merklich zunehme, sei u.a. auf den Schwund natürlicher Nistplätze zurückzuführen. Wo Baumhöhlen am Waldesrand zusehends rar werden, und Nahrungsquellen versiegen, beziehen Hornissen vermehrt „Rollladenkästen“, Dachböden und Schuppen oder bauen ihre kunstvollen Nester, deren Grundbausubstanz weiches Holz bildet, „zwischen Wänden und Nischen“ aus, um ihre Population, trotz des Mangels an natürlichen Niststätten, zu sichern.
Hast du schon mal ein Hornissennest in deinem Garten, in deinem Schuppen oder an deinem Haus entdeckt?

Die unter Artenschutz stehenden, friedfertigen Brummer dürfen weder getötet- noch dürfen deren Nester eigenmächtig entfernt werden. Selbst Fachleute erhalten i.d.R. erst nach eingehender Rücksprache mit den zuständigen Naturschutzbehörden eine Nest-Umsiedlungs-Genehmigung.

Sollten Hornissen deine Umgebung als geeignete Brut-Stätte auserkoren haben, ist ein Ergreifen von Maßnahmen deinerseits i.d.R. nicht von Nöten. Lass die Tierchen, wenn möglich, gewähren und erfreue dich, aus adäquater Entfernung, an dem brummenden Treiben im und um das Nest. „Hornissen sind relativ friedlich. Wenn man ein bis zwei Meter Abstand zum Nest hält, ist das kein Problem.“ – erklärt Wildbienen- und Wespenexperte Christian Schmid-Egger von der Deutschen Wildtier Stiftung in Berlin. Spätestens im Herbst dürfte Ruhe im Hornissennest einkehren, da lediglich die jungen Königinnen zu überwintern vermögen.

Trotz aller Friedfertigkeit sind natürlich auch Hornissen darauf bedacht, Nest und Staat zu schützen – damit eine stichfreie Koexistenz gelingt, gilt es, in Nestnähe ein paar Verhaltensregeln zu beherzigen:
„Keinesfalls das Nest erschüttern, etwa durch Hämmern oder Klopfen.“
„Hektische Bewegungen vermeiden – langsame Bewegungen tolerieren die Hornissen.“
„Flugbahn direkt am Nest frei halten und den Landeplatz nicht manipulieren.“
„Kleinkinder wegen ihrer oft ungestümen Bewegungen vom Nest fernhalten, eventuell durch einfache Absperrungen.“
„Keinen Rauch oder Motoren, etwa von Rasenmähern, in Nestnähe bringen oder gar mit dem Wasserschlauch auf das Nest spritzen.“
„Hängt das Nest an einer problematischen Stelle, hilft oft eine einfache Absicherung, etwa ein Fliegengitter oder Perlenschnüre zur Wohnung hin.“
Sollte die Wahl des Nistplatzes derart unglücklich ausgefallen sein, dass eine Entfernung bzw. Umsiedlung des Hornissen-Nestes unumgänglich ist, muss diese in jedem Fall durch eigens dazu autorisierten Spezialist:innen erfolgen – Hier sind die Unteren Naturschutzbehörden oder aber der örtliche „Bund Naturschutz“ erste Auskunftsgeber.

Wo Insekten wie Hornissen zunehmend um natürliche Nistplätze fürchten müssen, ist es umso wichtiger, dass wir sie – sofern möglich – in unserer Umgebung gewähren und ihr Brutgeschäft unbehelligt vollziehen lassen.
Quellen:
Hornissen: friedliche Insektenjäger | BUND Naturschutz (bund-naturschutz.de)
Hornissen ziehen vermehrt in die Städte – [GEO]

Das Insektensterben ist dramatisch. Vorangetrieben durch u.a. intensive Landwirtschaft und extensiven Pestizid-Einsatz, verliert die Natur immer mehr ihrer unverzichtbaren Bestäuber. Umso wichtiger ist es, dass sich Menschen bemühen, den Insekten zu helfen und ihnen z.B. mit pollen- und nektarhaltigen Blühpflanzen Nahrung zu bieten. Doch wie eine Untersuchung des BUND zeigt, kann dieser gut gemeinte Versuch auch den gegenteiligen Effekt haben. Wir zeigen dir, worauf du beim Kauf von vermeintlich insektenfreundlichen Pflanzen achten musst, damit diese auch wirklich insektenfreundlich sind.
Der BUND testete in seiner Untersuchung insgesamt 44 vorgeblich insektenfreundliche Zierpflanzen, die in Deutschland und Österreich verkauft werden – die Ergebnisse sind erschreckend: Auf 42 Pflanzen (91 Prozent) konnten Pestizide nachgewiesen werden, auf 41 Prozent der Proben wurden sogar Pestizide gefunden, die für Bienen hochgiftig sind und wegen ihrer Giftigkeit teilweise keine EU-Zulassung haben. Insgesamt wurden 64 verschiedene Pestizide nachgewiesen, lediglich zwei Proben aus Österreich waren gänzlich pestizidfrei.
Hier findest du den ganzen Bericht:
BUND-Zierpflanzentest 2022
Was bedeutet das nun? Dass hier dringend staatliches Eingreifen nötig ist. Hochgiftige Pestizide auf insektenfreundlichen Blühpflanzen müssen verboten werden und der Import von Pflanzen, die mit Pestiziden ohne EU-Zulassung behandelt sind, muss unterbunden werden. Diese und weitere wichtige Maßnahmen findest du auch im BUND-Bericht auf Seite 8.
Aber zum Glück musst du nicht auf die Politik warten, um Pestizide zu vermeiden. Wir geben dir Tipps, wie du auch unter den derzeitigen Bedingungen schon etwas wirklich gutes für die Insekten tun kannst:
1. Kaufe Saatgut statt der Pflanzen und ziehe diese einfach selbst groß (natürlich ohne Pestizide). Das ist die sicherste Methode, allerdings erfordert sie etwas Geduld.
2. Kaufe Bio-Pflanzen. Achte dabei auf das Biosiegel oder eines der biologischen Anbauverbände (Neuland, Bioland, usw.).
Mit diesen zwei einfachen Tipps kannst du nun den Insekten Nahrung bieten, welche frei von Giften ist, und zugleich deinen Garten oder deinen Balkon in ein kleines Naturparadies verwandeln. Erzähle diese Tipps auch deinen Freund:innen und Bekannten, damit diese nicht aus Versehen Giftfallen für Insekten in ihren Garten setzen.
Mehr Tipps zum Thema Insektenschutz findest du hier:
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Quellen:
➡️ Infografik: Das sind die Ursachen für das Insektensterben | Statista
➡️ BUND warnt: Zierpflanzen sind oft eine Giftfalle! – [GEO]